VERGANGENHEIT, GEGENWART UND ZUKUNFT DER LUFTSCHIFFENTWICKLUNG

„ ZEPPELINLAND DEUTSCHLAND “
Vor einigen Tagen erhielt ich ein sehr schönes
Geschenk, über das Ich mich ganz besonders gefreut habe. Ein Zeppelin Modell
„Graf Zeppelin“ als Blechspielzeug. Wenn ich mich recht erinnere, habe ich als
Kind auch dieses oder ein sehr ähnliches Modell besessen. Beim Anblick kamen
sofort alte Kindheitserinnerungen auf.
Mit 87 Jahren bin ich auch so ein Oldtimer aus dieser
Zeit und ich kann mich noch gut erinnern, wie ich als Kind und alle Kinder
unserer Gegend auch, vom Dachgarten des 5. Stockes unseres Hauses in Leipzig, den
geliebten Zeppelin über uns hinweg fliegen sahen. Wir schrieen und winkten, rauf
und runter vor Begeisterung.
Während des Überfluges von Leipzig wurde sogar der
Schulunterricht unterbrochen und alle Kinder rannten auf den Schulhof, um den
besten Beobachtungsplatz zu bekommen. Eine Kindheitserinnerung, die mich bis heute
begleitet hat und mich schon vor Jahren dazu veranlasste, an der Renaissance
der großen Luftschiffe, der Zeppeline mitzuwirken.
Der Sprung in die Gegenwart ist leider nicht so
positiv wie die ruhmreiche Vergangenheit der „Zeppelin Ära“ von 1900–1940
vermuten läßt. Der eigentliche Auslöser
meiner Aktivitäten waren Berichte aus Fachkreisen, dass es in Zukunft keine
Zeppeline mehr geben wird, weil diese Technik
zu aufwändig, zu teuer und nicht mehr machbar sei.
Ich habe diese Beurteilung als persönliche
Herausforderung aufgefasst und fühle mich veranlasst, meinen Beitrag in Form
von 2 erteilten Patenten für eine neue „ Zeppelin – Generation “ einzubringen.
Zu meinen weiteren Ausführungen muss ich erwähnen,
dass ich einen großen Teil meiner Sachkenntnisse dem ganz hervorragenden Sach-
und Fachbuch „LEICHTER ALS LUFT“ der Autoren Dipl.-Physiker Jürgen K. Bock und Prof.
Dr. B. Knauer zu verdanken habe.
Bei der Vielseitigkeit der Themen dieses Buches und
der Vermittlung von sehr umfangreichem Wissen, vom Anfang der „Leichter als
Luft“ Geschichte, über die Gegenwart und viel versprechende Zukunftsversionen,
habe ich einen sehr guten Überblick im Zusammenhang mit Luftschiffen
erhalten.
Um interessierten Kreisen meine Arbeiten vorstellen
zu können, habe ich im Januar 2004 eine Homepage veröffentlicht, die unter
„Zeppelin2000.de“ einzusehen ist.
In diesem Zusammenhang möchte ich noch darauf
hinweisen, dass die in meiner Homepage vorgestellten Modelle nur Beispiele dafür
sind, wie vielseitig die beschriebene Technik eingesetzt werden kann..
Durch Gestaltungsmöglichkeiten hinsichtlich des
statischen Aufbaues der gewünschten Zeppelin - Zelle, durch die besonderen Fertigungseigenschaften und
durch die Aufwertung bekannter Bauarten, wie Blimps und halbstarre Bauweisen,
ist es möglich, bekannte Entwicklungsnormen zu verändern und in neue Konzepte
überzugehen. Die große Palette neuer Materialentwicklungen rundet das
Gesamtprinzip fortschrittlicher Fertigungstechnik ab.
Besondere Aufmerksamkeit habe ich den letzten Kapiteln
des Buches „LEICHTER ALS LUFT“ gewidmet. Es geht um die Vorstellung von
Entwicklungen aus der Vergangenheit, Gegenwart und Neues auf dem Luftschiffsektor
der Zukunft.
Ich bin beeindruckt von der Vielfalt an Möglichkeiten,
die sich mit der Materie „Leichter als Luft - Zeppeline“ befassen, aber ich
sehe auch realistisch in die Zukunft. Ich frage mich, was ist aus den meisten
Zukunftsversionen und Vorhaben der letzten Jahrzehnte geworden - weltweit?
Wie viel wurde geforscht, entwickelt, geplant,
investiert und gebaut oder einfach totgeschwiegen. Von den meisten Vorhaben
hört man nichts mehr, obwohl sie doch schon lange am Himmel zu sehen sein
müssten.
Das größte und peinlichste Prestigeobjekt war
jedenfalls der „CargoLifter“. Eine Euphorie sackt in sich zusammen. Laut
Recherche gab weit über 1000 Zeitungsartikel zu diesem Thema. Bedauerlich ist
nur, dass jedes Vertrauen im Zusammenhang mit der Luftschiffentwicklung für
längere Zeit gestört ist.
Erfreulich ist es, dass in den letzten Jahren
trotzdem einige beeindruckende Vorhaben aller Luftschiff Bauweisen, wie starre,
halbstarre Bauweisen und Blimps entwickelt wurden.
An allererster Stelle steht natürlich der „Zeppelin
NT“, ein Luftschiff in halbstarrer Bauweise aus Friedrichshafen. Er ist als Gesamtprojekt eine
echte Pionierleistung und das z .Z. größte in Betrieb befindliche Luftschiff
der Welt.
Anschließend ein Auszug verschiedener Entwicklungen.
1.
Transportluftschiff
UTL – 2000 ( C2 ) L = 250m in Schalen - Bauweise
2.
Transportluftschiff LUTS
2000 ( C3 ) L = 198m Starrluftschiff (Beide mussten leider wegen fehlender
Finanzierung eingestellt werden)
3.
In die Reihe der
Starrluftschiffe (Passagierluftschiff, Vollwandkonstruktion in Faserverbund – Schalenausführung) ist noch
das Passagierluftschiff aus USA „Aeros – ML„ einzufügen. Die Länge ist mit 118
m, die Breite mit 34,4 m angegeben. Als Zielgruppe sind
Luxusfahrten in ständigem Betrieb für 180 Passagiere vorgesehen.
Zeitangaben: Entwicklung 1996 – 2002
Fertigungsvorbereitungen ab 2003. (und jetzt ?)
4.
Starrluftschiff HGT 129 M in sog. Tonnenbauweise. Dieses
Modell wurde mit den Abmessungen von 245 m Länge und 41,2 m maximalem
Durchmesser dem legendären „Zeppelin LZ – 129“ nachempfunden und mit
modernen technischen Mitteln und Produktionstechniken geplant. Projekt kam
nicht zur Ausführung.
5.
Ein weiteres,
interessantes Prall – Kielluftschiff ist
der Spezialtransporter „Heliliner LHL
44“. Man geht auch hier von vielen interessanten Gesichtspunkten aus. So ist
z.B. dieses Luftschiff speziell für den Transport von Fertighäusern entwickelt
worden. Fertigung nur als Modell.
6.
In der Reihe der
Vorstellungen müsste ich jetzt das Super Transport- Luftschiff für Schwerlasten, den „CargoLifter“ mit einer
Länge von 260 m und einer Breite von 65m vorstellen. Wie bereits erwähnt wurde dieses Modell mit über 1000 Berichten
so ausführlich beschrieben, dass mir
keine weitere Ergänzung dazu einfällt.
7.
Zum Abschluß
noch zweigigantische Projekte, die diese Aufstellung vervollkommnen sollen. Der
bekannte britische Konstrukteur Roger Munk plant ein Transportluftschiff für
Passagiere und Lasten bis zu 1000 Tonnen. Mit 307 m Länge und 77m Breite wäre
es das größte Luftschiff der Welt. Zeitangaben: Modellvorstellung im Jahre
2000, Demonstrator im Jahre 2002 erfolgreich erprobt, seitdem keine weiteren
Angaben.
Die Firma „Rigist Earship Design“ plante und
arbeitete vor einigen Jahren an einem Starrluftschiff mit der gleichen Technik
wie das Erfolgsluftschiff „Hindenburg“. In den kommenden 20 Jahren war der Bau
von mindestens 1000 Luftschiffen vorgesehen. Nach Angabe wurden weitere
Aktivitäten wegen Finanzierungsschwierigkeiten
eingestellt.
Abschließend noch die Vorstellung der Fa. „Luftschiff
2000 AG“. Nach der fast 20 seitigen Beschreibung gehören die zwei angebotenen
Modelle zu dem Besten, was es bisher in der Planung von Luftschiffen gegeben
hat. Es handelt sich bei dem kleineren Modell um einen sog. „Zubringer “ in
einer Länge von 80 – 150 m, Breite ü. A.110-145 m
davon ca. 40 – 70 m Kielplatte, Höhe ca. 35 m, dv.3 –
4 m Kielplatte (einetagig).
Das „Zubringer-Luftschiff“ Modell ist für die
Beförderung der Passagiere zum eigentlichen Startplatz vorgesehen, denn
entspannter Urlaub soll schon am Heimatort beginnen. Man steigt dann in das „
Hotel - Luftschiff 2000“ um und fliegt in alle Welt.
„Luftschiff 2000“ Abmessungen: Länge ca. 285 m;
Breite ü.A.ca. 213 m dv. ca.120 m Kielplatte; Höhe ca. 52 m, dv. 9 m Kielplatte
für 3 Passagierdecks. Die Ausführung ist
als Hybridluftschiff vorgesehen. Der „Zubringer “ist für 80 – 200
Passagiere entwickelt, während das „Luftschiff 2000“ für 400 Passagiere und 90
– 100 Personen Besatzung ausgelegt ist.
Leider ist auch dieser Traum ausgeträumt. Auf Anfrage
im Internet die Antwort:
Nicht mehr in Betrieb.
An dieser Stelle möchte ich noch darauf hinweisen, dass
ich alle Angaben, dem Buch „LEICHTER ALS LUFT“, Zeitungsberichten und anderen
Veröffentlichungen entnommen habe.
So gibt es noch eine Menge ähnliche Beispiele, wie
Projekte am Horizont auftauchen und wieder untertauchen.
Der einzige
"Lichtblick" am Himmel ist z. Z. das Luftschiff „Zeppelin NT“ aus Friedrichshafen mit einer Länge von 75
m. und für 2 Piloten und 12 Passagieren zugelassen. Es wird als das größte im
Einsatz befindliche Luftschiff weltweit bezeichnet. Ferner ist seit Jahren ein
größeres Luftschiff dieser Bauart geplant, das 40 Passagiere aufnehmen kann und
in ca .4 Jahren einsatzbereit sein soll.
Im Zusammenhang mit den angeführten
Ergebnissen sei mir gestattet, die heutige Entwicklung auf dem Sektor Luftschiffe
einmal von einer anderen Warte aus zu betrachten.
Wenn man davon ausgeht, dass
vom Beginn der Konstruktionsarbeiten bis zur Erstfahrt des LZ 127- „Graf –
Zeppelin, am 18. Sept. 1928 gerade 21 Monate vergingen und das der Start zur
ersten Weltumrundung am 1 Aug.1929, also
vor 79Jahren erfolgte, ist die Frage gestattet, welchen Maßstab man für unsere
heutigen Entwicklungen im Luftschiffbau zugrunde
legen soll.
Es fehlt doch wirklich nicht
an machbaren Techniken. Ein ausgesprochen hoher Bedarf an Luftschiffen für
Forschung und Wirtschaft (Personen und spezieller Lastentransport) wurde auch
in den letzten Jahren angemeldet.
Eine weitere Komponente ist
das Geld oder besser gesagt das fehlende Geld. Es ist der Hauptanlass, weshalb
die meisten Projekte nicht zur Ausführung gekommen sind.
Persönlich bin ich nicht der
Meinung, dass dieser Umstand ausschlaggebend ist, denn Geld ist genug vorhanden,
vor allem da Luftschiffe im Vergleich zu Flugzeugen wesentlich preiswerter
herzustellen sind. Es fehlt nur am Vertrauen und zukunftsweisenden Angeboten, vor
allem an Glaubwürdigkeit, um die Wirtschaft zu überzeugen.
Die Frage steht im Raum, woran
liegt es, dass wir bis heute immer noch keinen Anschluß an die Zeppelin Epoche
von 1900 – 1940 gefunden haben.
Obwohl wir in Deutschland ganz
hervorragende Wissenschaftler, Ingenieure, Techniker, eine ganz hochwertige
Industrie und eine Weltspitze an Facharbeitern zur Verfügung haben, ist es in
den letzten Jahrzehnten leider nicht gelungen einen Zeppelin in sein
Element zu übergeben. Übrigens betrifft das
nicht nur Deutschland, sondern alle anderen Länder auch, wobei Amerika eine
führende Position eingenommen hat. So gibt es Sensationen und Lichtblicke, die leider
nicht in die Luft gehen, sondern sich dann wieder in Luft auflösen.
Es kann doch nicht daran
liegen, dass wir heute nicht mehr in der Lage sind Luftschiffe- Zeppeline in
der Größenordnung und den Leistungsdaten von vor 79 Jahren zu bauen. Allerdings
geht man dafür zum Teil in Dimensionen über, die einem das Gefühl vermitteln,
daß das Machbare übersprungen wird.
Man sagt zwar „Geld regiert
die Welt" aber es sind immer noch Wissenschaftler, Erfinder, Konstrukteure
und vor allem die Arbeiter, die die Voraussetzung dafür schaffen, dass Geld in
Bewegung kommt und seine Wertigkeit behält. Geld steht immer in Bezug, Geld
allein ist wertlos.
Ich würde sagen, es fehlt uns
heute das Ziel und mehr Mut zu geeigneten Angeboten und neuen Techniken bzw. zu
Entwicklungen, die nicht nur auf dem Papier und bis zu den Prototypen gehen und
sich dann wieder auflösen.
Es geht fast aus allen
Beispielen der letzten Jahre hervor, dass heute eine Einzelfirma nicht mehr in
der Lage ist ein so großes Projekt, wie den Bau von Luftschiffen, allein zu
bewältigen. Mit der Produktion selbst ist es nicht getan, es gehört auch das
gesamte Umfeld dazu, damit die Luftschiffe nicht nur in die Luft steigen, sondern
daß sie auch ihren vollen Einsatz erfüllen können.
Lassen Sie mich dazu ein
Szenarium entwickeln.
Man sollte ähnlich, wie beim „Airbus"
verfahren und das Gesamtprojekt in Fachbereiche mit qualifizierten Firmen
aufteilen. Jede Firma übernimmt ihre eigene Aufgabe, die sie in
Eigenverantwortung, von der Planung, Entwicklung, Fertigung und Lieferung, z.T.
auch Endmontage in eigener Regie und auf eigenes Geschäftsrisiko auszuführen
hat. Dafür ist jede Firma anteilmäßig am Gewinn – Verlust beteiligt und ist als
Gesellschafter Miteigentümer des gesamten Projektes
Die Leitzentrale,
gewissermaßen der Kopf des ganzen Unternehmens setzt sich aus je einem Mitglied
der beteiligten Firmen und zusätzlich einem Wirtschaftsexperten, der das Ganze
ins Rollen oder besser gesagt in die Luft bringen soll, zusammen.
Ich sehe in diesem Vorschlag oder
Beispiel folgende Vorteile. Das Gesamtprojekt wird in mehrere Teilbereiche
aufgegliedert. Jede Firma leistet in ihrem eigenen Interesse das Beste auf
ihrem Gebiet und muß in der Lage sein, ihre eigenen Erzeugnisse nach dem neuesten
Stand der Technik zu entwickeln und zu verarbeiten. Jede Firma trägt auch das
finanzielle Risiko ihrer erbrachten Leistung und wird in jedem Fall daran interessiert
sein, ihre volle Leistungsfähigkeit als Erfolg für das Gesamtprojekt
einzusetzen. Das Gesamtrisiko wird
dadurch belohnt, dass sich die beteiligten Firmen durch einen vollen Einsatz
ihrer Leistungen direkt an einem hoch qualifizierten Produkt beteiligen. Es
wird so die beste Voraussetzung dafür geschaffen, eine führende Rolle auf dem
Weltmarkt einzunehmen.
Dieses Szenarium müsste
weltweit zum Einsatz kommen, denn eine Nation allein wird es mit ihren Aktivitäten nie schaffen, die
Führungsrolle zu übernehmen. Wir müssen auch hier weltweit handeln und kommunizieren.
Jedes Land entwickelt und arbeitet für sich an einem gemeinsamen Ziel. Die
Voraussetzungen sind jedenfalls gegeben, nur, wer macht den Anfang?
Da jede Entwicklung vom Bedarf
abhängig ist, sollte man doch hier einmal ansetzen. Wo ist denn heute die
Presse, die in der Vergangenheit mit über 1000 Artikeln und Berichten über die
CargoLifter Euphorie geschrieben hat? Wo sind die großen Zeppeline für Passagiere
(s. Hindenburg), die zusammen mit den großen und erfolgreichen Luxuslinern der
Weltmeere und Flüsse das Monopol der Urlauber ergänzen und in neue Bahnen
lenken? Wo ist die Wissenschaft, die mahnend den Bedarf von hunderten
Luftschiffen für die Lösung dringender Aufgaben brauchte. Wo sind die großen
Lastentransporte in alle Welt, die nur mit einem Zeppelin bewältigt werden
können? Wo sind die Spezialtransporter zur Bewältigung von Katastrophen? Wo
dringende Hospitalluftschiffe die ihren Einsatz überall in der Welt, wo sonst
keine Hilfe möglich ist, ausführen können?
Zeppeline, die Könige der
Lüfte, die majestätisch schon vor
80 Jahren um die ganze
Erde geflogen sind, Zeppeline,
die wie kein anderes Luftfahrzeug den Wunsch der Menschheit, zu fliegen, in
allerhöchster Potenz erfüllt haben, wo sind sie geblieben?
Was heute über Luftschiffe veröffentlicht
wird und auf dem Bildschirm zu sehen ist, gehört fast ausschließlich in die Pionierzeit der
Luftschiff - Epoche von 1900 - 1940 und endet meist (ca.2 mal im Monat) mit der Katastrophe der "Hindenburg"
in Lakehurst. Wer schreibt schon von der Zukunft, von dem Erbe aus dieser Zeit
und den großen Erfolgen der „Zeppelin – Ära“. Wer schreibt von den großen
Möglichkeiten, die sich gerade in unsrer Zeit anbieten. Wer denkt schon daran,
daß uns mit dem Luftschiff und der Solartechnik ungeahnte Möglichkeiten für die
Lösung der anfallenden Probleme der Zukunft zur Verfügung stehen?
Wenn wir die Vergangenheit der
Luftschiffentwicklung richtig interpretieren und daraus Nutzen ziehen, wird
sich die Luftschifftechnik zu einer zeitgemäßen Schlüsselindustrie entwickeln.
Denken wir doch an die Vielseitigkeit des Gesamtpotentiales. Es müssen nicht
nur Luftschiffe/ Zeppeline verschiedenster Modelle und Techniken hinsichtlich
Größe und Verwendungszweck gebaut werden. Es werden auch Hallen für die Produktion
gebraucht. Zusätzlich sind auch Bereiche für Reparatur und Wartung erforderlich.
Dann müssen auch Landeplätze für einen weltweiten Luftverkehr geschaffen werden.
Es sind Verträge mit Transportfirmen abzuschließen.
Die gesamte Touristikbranche wird in Bewegung gesetzt werden, denn endlich eröffnet
das Reisen mit dem Luftschiff wieder ganz neue Perspektiven. Reisen ist nicht
mehr nur Fortbewegung, sondern ein Erlebnis mit allerhöchsten Ansprüchen und
einmaligen Möglichkeiten.
An dieser Stelle fällt mir
folgende Bemerkung ein. Es ist doch nicht zu übersehen, dass das Reisen mit
Kreuzfahrtschiffen immer mehr boomt. Es wird ein Ferienkreuzer nach dem anderen
auf Kiel gelegt. Die Riesen der Meere werden auch immer größer und komfortabler.
Diese Monster sind zum Teil mehr Vergnügungs - und Ballungszentren mit Großstadtmanier,als
dass sie den Passagieren das Erlebnis einer Schiffsreise vermitteln.
Im Zeppelin fliegt man, aber
nicht im Geschwindigkeitsrausch. Man möchte losgelöst sein von der Erde, man
möchte einmal über den Dingen stehen, möchte einmal Abstand haben von dem Sog
unseres Alltages, losgelöst und frei. Man möchte das Leben erleben.
Die Superliner sind zwar nicht
jedermanns Traumversion für Entspannung und Urlaub,
aber man muss zugeben, sie
haben es geschafft und freuen sich immer größerer Beliebtheit. Während sie die
Weltmeere und Flüsse durchkreuzen, stehen wir, die „Luftschiffakteure" auf
dem nackten Boden der Tatsachen und der ist wirklich nicht weltbewegend. Daran
hat auch nichts geändert, dass in Deutschland das z .Z. größte Luftschiff der
Welt, der „Zeppelin NT“ gebaut wird...
Was hindert uns eigentlich
daran, die Erfolge der „Super – Liner" auf den Weltmeeren zum Anlaß zu
nehmen und uns daran zu erinnern, dass im Jahre 1900, also vor 108 Jahren, ein
Pionier der Luftfahrt, „Graf Ferdinand
v. Zeppelin“ und viele bedeutende „Luftschiffer“
den Grundstein für einen einzigartigen Siegeszug in der Luftschiffgeschichte gelegt
haben. Das Modell LZ 1 war der Anfang einer unvergleichbaren Zeppelinära. Leider
wurde nach einer großen Erfolgsserie von über 120 Zeppelin - Luftschiffen und der
furchtbaren Brandkatastrophe von Lakehorst, im Jahr 1936, das letzte
Modell LZ130 und andere bis 1940 demontiert
und eine weitere Produktion eingestellt.
Zurückblickend und als
Leistungsmaßstab der letzten hundert Jahre ein Auszug aus den technischen Daten des erfolgsreichsten Zeppelins
aller Zeiten..
Luftschiff „ GRAF- ZEPPELIN “
LZ 127
Länge : 236,6 m gr. Durchm. 30,5 m. Gas. Vol.70000 cbm.
Triebwerk. 5X530 PS. Mayb.
Leergew.67100 Kg. Auftr.87000 Kg
.Nutzl.19900 Kg. Pers. 36 + 20 Pass. Höchstgeschw.
130 Km./Std.. Reichweite 10000 Km.
Erstfahrt: Sept. 1928
Die LZ127 „Graf Zeppelin“ war
das erfolgreichste Luftschiff aller Zeiten. Nach dem Flug rund um die Erde im
Jahre 1928 überquerte die LZ127 mehr als hundert mal den Atlantik. Insgesamt
legte LZ127 auf 590 Fahrten rund 1,7 Mill. Km. ohne nennenswerte Zwischenfälle zurück.
.Leider wurde die „Graf-Zeppelin“ bis 1940 aus politischen Gründen abgewrackt,
obwohl sie noch viele Jahre voll einsatzfähig
gewesen wäre..
Das Ende der damaligen Erfolge
geschah aus politischen Gründen und nicht weil der Zeppelin ausgedient hatte.
Hätten die Pioniere von damals die technischen Möglichkeiten von heute für ihre
Entwicklungen gehabt, wäre es heute selbstverständlich, Einsätze für Touristik,
Weltreisen, Groß - Lastentransporte, Spezialtransporte, Flüge im Auftrag der Wissenschaft,
Beobachtungen aller Art und sehr viele
weitere Einsätze mit dem Luftschiff auszuführen.
Stellen wir doch abschließend
noch einmal fest, dass es hunderte von Fachbüchern und Berichten gibt, die nicht nur das Zeitalter
der großen Zeppeline verherrlichen, sondern auch die Technik und die großen
Erfolge der Luftschiffentwicklung von 1900 – 1940 dokumentieren. So gibt es
international eine sehr große Anzahl von Universitäten und Fachhochschulen, die
das Thema „Leichter als Luft – Luftschiffe“ als Studienfach anbieten. Tausende
von Artikeln und Fachberichten über „Luftschiffe – Zeppeline“ in den letzten
Jahrzehnten sind ein weiterer Beweis dafür, welchen Stellenwert die Luftschiffentwicklung
in den vergangenen hundert Jahren, bis heute, weltweit eingenommen hat.
Daraus resultierend ist es
vollkommen unverständlich, dass es in
den letzten Jahrzehnten noch nicht gelungen
ist einen Zeppelin der beschriebenen Größenordnung seinem Element zu übergeben.
Im Anschluß an meine
Ausführungen möchte ich noch folgende Ergänzung hinzufügen.
Es ist unverkennbar, dass ich
einen ganz besonderen Bezug zu der Entwicklung von Luftschiffen - Zeppelinen
habe. Mit meinem persönlichen Beitrag und mit meinen Arbeiten für eine neue
Zeppelin – Generation, hoffe ich mich daran beteiligen zu können, dass der Zeppelin
in absehbarer Zeit wieder eine Zukunft bekommt. Die Zeit ist reif für einen
Neuanfang, eine Renaissance der großen Vorbilder, wie z .B. den legendären
Zeppelinen „Graf – Zeppelin“ und der „Hindenburg“.
So gibt es Licht und Schatten
und es ist nicht nur neueste Technik und viel Geld gefragt. Gehen wir zurück
zum Anfang der Entwicklung, zu Graf v. Zeppelin und vielen anderen Pionieren.
Es war nicht nur das Geld, das diese einzigartige Entwicklung vorangetrieben
und möglich gemacht hat. Es war die Begeisterung und der unerschütterliche
Glaube, einen Wunschtraum der Menschheit zu verwirklichen – und jetzt sind wir
dran, das Beste aus diesem Erbe zu machen, vor allem, da wir alle aufgerufen
sind unser Möglichstes für unsere Umwelt und unsere Zukunft zu leisten.
Rudolf Küchler.